10 Jahre Neuenheimer Kammerorchester

Am 13. Mai 2007 betrat ein neues Ensemble die Heidelberger Kulturszene mit einem Konzert im Rahmen der Heidelberger Abendmusiken in St. Raphael. 16 Streicher, von denen die meisten seit mehreren Jahren im Collegium Musicum der Universität Heidelberg, dem Sinfonieorchester TonArt oder in Kammermusikformationen zusammen musizierten, wollten die probenfreie Zeit der Semesterferien nutzen, um ein reines Streichorchester-Programm einzustudieren und aufzuführen, zwei „Klassiker“, die Holberg-Suite von Edvard Grieg und die Streicherserenade von Peter Tschaikowsky. Als musikalischen Leiter hatten sie Detlef Mitscher gewonnen, stellvertretender Solo-Klarinettist des Philharmonischen Orchesters Heidelberg. Das Konzert war sehr erfolgreich, die Instrumentalisten wollten weitere Projekte folgen lassen, jedoch fehlte ein Dirigent, da Mitscher aus Zeitgründen auf Dauer nicht zur Verfügung stand.

Wie der Zufall so spielt, trafen sich Anfang 2008 Steffen Friedl-Schneider, Cellist im Neuenheimer Kammerorchester, und Matthias Metzger in der Marktstube am Neuenheimer Marktplatz. Beide kannten sich aus ihrer Zeit bei den Heidelberger Sinfonikern und bei dem Schlierbacher Kammerorchester, bei denen Friedl-Schneider als Orchestermanager und Metzger als Konzertmeister tätig waren. Der eine suchte einen Dirigenten, der andere zeigte Interesse, seine Tätigkeiten als Konzertmeister, Solist und Kammermusiker in Richtung Ensembleleitung zu erweitern. Ein Glücksgriff, wie sich schnell erweisen sollte. Auf sehr effektive Weise versteht es Metzger, den Charakter und die Struktur eines Werkes herauszuarbeiten, indem er einzelne Stimmen herausnimmt, Phrasierung und Klanggestaltung erarbeitet und sukzessive die Stimmen zusammensetzt, so dass das Werk schon nach einer Probe „klingt“, die musikalische Geste rüberkommt. Anschließend wird perfektioniert, nicht selten mit geigerischen Hinweisen und Tricks für die technische Umsetzung, so dass nach zwei Probenwochenenden die Konzertreife des Programms erreicht wird.

Auf diese Weise entstanden 19 einstündige Konzertprogramme, die in 47 Konzerten in Heidelberg, Mannheim sowie im Raum Neustadt/Weinstraße aufgeführt wurden. Neben den großen Werken der Streichorchester-Literatur wie den Serenaden von Antonín Dvořák und Peter Tschaikowsky, dem Divertimento von Béla Bartók, Streichersinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn oder den Bridge-Variationen von Benjamin Britten kommen regelmäßig auch Raritäten zu Aufführung, selten gespielte aber nicht minder hochwertige Werke. Zu letzteren gehören das Doppelkonzert für 2 Hörner und Streichorchester von Beethoven, das Klarinettenkonzert von Mieczyslaw Weinberg als deutsche Erstaufführung, oder das Doppelkonzert für Harfe, Violine und Streichorchester mit der ARD-Wettbewerb Preisträgerin Mirjam Schröder und Matthias Metzger als Solisten. 64 Werke umfasst mittlerweile die Repertoireliste des Orchesters.

Getragen werden die Aktivitäten des Orchesters seit 2012 vom gemeinnützigen Verein Neuenheimer Kammerorchester e.V. (der gerne auch steuerlich absetzbare Spendenquittungen ausstellt). Weitere Informationen für Konzertbesucher, Förderer und potentielle Mitspieler finden sich unter www.neuenheimerko.de .

 

 

(Stand Jan 2017)